Detailansicht des ausgewählten Artikels:

Zurück zum Archiv
Überschrift: "Immunstärkend" essen - besonders wichtig für Menschen mit HIV/Aids
Text-Download:
Letzte Änderung: 2002-10-16 | 11:22
Text des Artikels: (aid) - "Immunstärkend" zu essen, empfiehlt der Kölner Diplom-Oecotrophologe
Christof Meinhold den 40.000 Menschen mit HIV/Aids in Deutschland. Durch die
Medikamenten-Einnahme und begleitende Infektionen haben HIV/Aids-Patienten
einen erhöhten Nährstoffbedarf. Aber auch Appetitlosigkeit und Erbrechen
können einen Nährstoffmangel verursachen. Gleichzeitig ist die
Nährstoffaufnahme aus dem Darm (durch Durchfälle, eingeschränkte Funktion
der Bauchspeicheldrüse) häufig verringert. Nicht selten sind Menschen mit
HIV/Aids mit Mikronährstoffen (Vitamin A, B1, B6, B12, C, D, E, Folsäure,
Selen, Zink, Eisen) unterversorgt.
Das HI-Virus verursacht einen erhöhten oxidativen Stress durch freie
Radikale, berichtet Meinhold. Eine optimale Versorgung mit Vitaminen,
Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen bewirkt wahrscheinlich einen
schützenden Effekt. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
(DGE) "5 Portionen Gemüse und Obst am Tag" (in der Größe von 5 Händen, eine
Portion auch als Gemüse- oder Obstsaft) sollte von HIV-/Aids-Patienten
deshalb besonders konsequent umgesetzt werden. Menschen mit HIV/Aids haben
einen gesteigerten Eiweißbedarf. Der Ernährungsberater empfiehlt den
Betroffenen, vier fettarme Fleischmahlzeiten und zwei Fischmahlzeiten pro
Woche zu sich zu nehmen und zusätzlich zwei Portionen Milchprodukte am Tag
zu verzehren. Fische, die reichlich Omega-3-Fettsäuren liefern (Hering,
Makrele), sind wegen ihrer immunstimulierenden Eigenschaften besonders
empfehlenswert. Eine Supplementation mit Mega-Dosen an Eiweiß, Vitaminen und
Mineralstoffen ist wegen der noch unbewiesenen Wirkung und eventueller
Nebenwirkungen umstritten, Meinhold rät davon ab.
HIV-Infizierte müssen sich vor Lebensmittel-Infektionen besonders schützen,
um auch hier Begleit-Infektionen möglichst aus dem Weg zu gehen. Eier-,
Fleisch- und Fischgerichte sollten gut durcherhitzt sein. Sushi und Desserts
mit rohen Eiern (Tiramisu) sind tabu. Ein moderates Bewegungsprogramm
ergänzt die Ernährungstherapie sinnvoll, weil es das Immunsystem stärkt und
den begleitenden Fettstoffwechselstörungen entgegenwirkt. Eine
Überbelastung, z. B. ein Muskelkater, ist für Menschen mit HIV schädlicher,
weil es im Körper "wie ein kleiner Infekt" wirkt, erklärt der HIV-Experte
Meinhold.

aid, Stephanie Wetzel
Zurück zum Archiv  |  Nach oben