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Überschrift: Die Macht der Gewohnheit - Wie Essverhalten entsteht
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Letzte Änderung: 2002-03-21 | 06:54
Text des Artikels: (aid) - Säuglinge und Kleinkinder können es noch: Sie essen wenn sie Hunger
haben und hören auf, wenn sie satt sind. Sie reagieren auf ihre inneren
Signale. Zu diesen Signalen gehört auch die angeborene Vorliebe für süße
Lebensmittel, zu denen z. B. die Muttermilch zählt. Nach dem Stillen bleibt
die Vorliebe für Süßes bestehen. Kleinkinder bevorzugen süßliche Gemüsearten
und auch bei vielen Erwachsenen ist diese Vorliebe noch vorhanden.
Im Säuglings- und Kleinkindalter ist der Hunger-Sättigungsmechanismus noch
gut ausgeprägt und die Kinder richten sich danach. Daher sind Kinder im
Säuglings- und Kleinkindalter in der Lage, ihre Nahrungsbedürfnisse
einzuschätzen und sich vielseitig zu ernähren.
Im Kindes- und Jugendalter werden diese angeborenen Signale zunehmend
überlagert durch Umwelt und Lernerfahrungen. Dazu zählen z. B. vorgegebene
Essenszeiten, die Regulierung der Essmenge durch Erwachsene, Werbung und vor
allem die Gewöhnung. Kinder lernen Vorlieben, indem sie mit bestimmten
Lebensmitteln in Kontakt kommen (=Kontaktlernen). Fachleute nennen das den
"mere exposure effect", was bedeutet, dass wir solche Lebensmittel gerne
mögen, die wir durch häufigeren Verzehr kennen. Dieser Effekt lässt sich
ausnutzen, indem Kindern bestimmte Speisen immer wieder angeboten werden.
Untersuchungen belegen, dass Kinder häufig ähnliche Vorlieben und
Abneigungen haben, wie ihre Eltern. Unbekanntes Essen akzeptieren Kinder
leichter, wenn auch die Eltern davon essen. Ab dem Kindergartenalter
orientieren sich die Kinder am Essverhalten anderer Kinder und Erwachsener.
Sie essen dann auswärts oftmals Speisen, die sie zu Hause niemals essen
würden.
Häufig versuchen Eltern, die Kinder mit beliebten Speisen für das Essen
weniger gefragter Gerichte zu belohnen. Kinder durchschauen aber meist den
Erpressungsversuch der Eltern. Die unbeliebte Speise wird dadurch noch
unbeliebter, denn sie versperrt den Weg zum geliebten Essen. Kinder werden
oft mit Süßigkeiten getröstet, wenn es ihnen nicht gut geht oder wir gerade
keine Zeit für sie haben. Das Kind hat gelernt: mit Essen und vor allem mit
Süßigkeiten kann ich mich wieder wohl fühlen.
Kinder verlernen ihren angeborenen Hunger-Sättigungsmechanismus, wenn sie
über ihren Hunger hinaus "aufessen" müssen. Sie sollten deshalb lernen, nur
soviel auf den Teller zu nehmen, wie sie auch essen können und kleinere
Portionen bevorzugen.
Ältere Kinder und Jugendliche orientieren sich nicht mehr an den
Essgewohnheiten der Eltern. Sie essen verstärkt das, was Gleichaltrige
mögen.
Erwachsene steuern ihr Essverhalten überwiegend rational. Sie essen was
gesund ist und verzichten bewusst auf bestimmte Lebensmittel. Auf ihr Hunger
und Sättigungsgefühl zu hören, haben sie meistens verlernt.

aid, Heike Rapp
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