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Überschrift: Ernährungserziehung und Kinderernährung
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Letzte Änderung: 2001-07-13 | 02:10
Text des Artikels: Verbote sind verboten!

Ermutigen Sie Ihr Kind immer wieder, den eigenen Körper und seine Signale zu beobachten und ernst zu nehmen! Seien Sie ein Vorbild, was das eigene Essverhalten anlangt! Wichtig ist, durch tägliches praktisches Verhalten zu zeigen, dass "richtige" Ernährung schmeckt, alle Sinne anspricht, Spaß macht und dass es keine verbotenen, guten oder schlechten Nahrungsmittel gibt.

Schadet unregelmäßiges Essen?

Kinder essen auch innerhalb einer Altersgruppe nicht gleich viel. Ruhige Kinder, die sich wenig bewegen und viel lesen oder fernsehen, brauchen deutlich weniger Energie als sportlich aktive Kinder. Auch bei Einzelnen schwankt die Energieaufnahme von Tag zu Tag und von Mahlzeit zu Mahlzeit beträchtlich. Was einem Kind an Energie bei der einen Mahlzeit fehlt, holt es mit Sicherheit bei der nächsten nach!

Darf mein Kind sein Essen selbst bestimmen?

Lassen Sie Ihr Kind selbst entscheiden, wie viel es essen will! Randvolle Teller sind für Kinder nicht angemessen, kleine Portionen werden bevorzugt. Aber auch mehrmaliges Nachnehmen ist erlaubt. Lassen Sie dem Kind die Speisenfolge selbst gestalten! Obst kann der erste Gang, Gemüse mit Kartoffeln der zweite sein. Kohlenhydratreiche Speisen (Pasta, Pizza, Reis) sind häufig besonders beliebt. Fleisch und Fisch sind eher Zuspeisen - ganz dem heutigen Trend entsprechend.

Sollen Kinder viel trinken?

Da der kindliche Organismus zu einem höheren Prozentsatz als bei Erwachsenen noch aus Wasser besteht, ist der Wasserbedarf für Kinder auch höher. Die Empfehlung liegt bei 800-900 ml Flüssigkeit in Form von Getränken. Getrunken wird aber laut Untersuchungen viel zu wenig, nämlich nur 500-700 ml. Für viele Eltern ist das überraschend, aber der Grund, warum manche Kinder ständig Durst haben. Es ist also wichtig, diesen zu stillen und den Kindern ausreichend Getränke anzubieten. 20 % der Eltern lehnen den Wunsch des Kindes nach Flüssigkeit aber gelegentlich ab, weil sie fürchten, es hätte dann keinen Appetit mehr oder würde später sauber werden. Getrunken kann aber nie genug werden! Am besten geeignet als Durstlöscher sind Wasser, Mineralwasser, Früchte- und Kräutertee sowie verdünnte Obst- und Gemüsesäfte.

Braucht ein gestilltes Baby Tee als Durstlöscher?

Wenn das Baby gesund ist, braucht ein vollgestillter Säugling keinen Tee zwischendurch. Jedes Baby hat seinen eigenen Rhythmus und trinkt dann, wenn es hungrig oder durstig ist. Auch wenn es im Sommer sehr heiß ist oder bei niedriger Luftfeuchtigkeit deckt häufiges Stillen den Flüssigkeitsbedarf.

Ist Essen ein Erziehungsmittel?

Die Bemühungen um eine richtige Ernährungserziehung sollten nicht zu einer Überbewertung des Essens führen. Viele Probleme entstehen dadurch, dass Eltern Liebe und Anerkennung, aber auch Missbilligung mithilfe von Lebensmitteln ausdrücken und durchsetzen wollen. Ein derartiger Missbrauch der Nahrung als Erziehungsmittel kann auf Dauer zu schwerwiegenden Essstörungen führen. Ob Ihr Kind sein Lieblingsessen oder eine Süßigkeit bekommt oder nicht, soll nicht davon abhängen, ob es artig war oder nicht.

Sind Süßigkeiten verboten?

Besonders Süßigkeiten werden leider oft als Erziehungsmittel eingesetzt und können dadurch eine überzogene Bedeutung bekommen. Vermitteln Sie Kindern einen maßvollen, selbst verantwortlichen Konsum von Süßigkeiten! Ein völliges Verbot von Süßem ist weder erzieherisch sinnvoll noch aus Ernährungsgründen notwendig.

Gibt es "gesunde" Lebensmittel für Kinder?

Kinder haben im Allgemeinen keinen Bezug zu Gesundheitsschäden, die durch Fehlverhalten erst viele Jahre später auftreten könnten. Das Argumentieren mit Gesundheit in Zusammenhang mit Essen und Trinken sollte deshalb sehr dosiert eingesetzt werden. Erst älteren Kindern und Jugendlichen kann erklärt werden, wie das Essen den Körper mit Nährstoffen versorgt und welche Nahrungsmittel, im Übermaß verzehrt, gesundheitliche Folgen auslösen können.

Ist Milch nur etwas für Säuglinge und Kleinkinder?

Eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Bristol zeigt, dass Milchtrinker, die mehr als eineinhalb Tassen Milch pro Tag trinken, gesünder leben und weniger oft an Herzerkrankungen sterben. Mit der über mehr als 25 Jahre laufenden Studie an 5 700 Männern konnte die Annahme widerlegt werden, dass der regelmäßige Konsum von Milch und Milchprodukten zu einem erhöhten Cholesterinspiegel führe. Möglicherweise könnte der hohe Kalziumgehalt der Milch für den positiven Effekt mitverantwortlich sein.

Darf man selbst gemachte Babybeikost würzen?

Mit Ausnahme eines möglichen Allergierisikos gibt es keine medizinischen Gründe, die gegen die Verwendung von Gewürzen in der Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern sprechen. Allerdings ist es aus geschmacklicher Sicht im 1. Lebensjahr nicht nötig, Beikost zu würzen. Selbst zubereitete Breie können auch ohne die Zugabe von Gewürzen schmackhaft sein. Möglicherweise lehnen Kinder aber selbst gekochte, ungewürzte Breie ab, wenn sie schon einmal ein Fertigmenü gekostet haben. Wenn Kinder beginnen, am Familienessen teilzunehmen, können bei der Zubereitung von Speisen die üblichen Gewürze je nach Vorliebe der Kleinen verwendet werden. Auch gegen die Verwendung von jodiertem Speisesalz ist nichts einzuwenden, wenn es sparsam eingesetzt wird.

Werden gestillte Babys dünnere Teenager?

Dass Stillen die beste Nahrung für Säuglinge darstellt, ist allgemein anerkannt. Nun berichten britische Wissenschaftler von einem neuen positiven Effekt: Babys, die von ihren Müttern gestillt werden, leiden im Teenageralter weniger an Fettleibigkeit. Anhand von Fragebögen, die an 15 000 Personen verteilt wurden, wurde ermittelt, dass nur 4 % der Mädchen und 7 % der Buben, die als Baby gestillt wurden, im Teenageralter übergewichtig sind, Flaschenkinder hingegen zu 20 %. Da übergewichtige Kinder und Jugendliche oft zu dicken Erwachsenen heranwachsen, ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass Übergewicht erst gar nicht entsteht. Einmal angegessene Kilos lassen sich nur schwer wieder dauerhaft entfernen und das kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Ist ein Stillen aber nicht möglich, bieten die handelsüblichen Säuglingsmilchnahrungen durchaus akzeptable Lösungen an.

Wann entwickelt sich die Vorliebe für bestimmte Geschmacksrichtungen?

Forschungsergebnisse des Monell Chemical Senses Center in Philadelphia zeigen eindeutig auf, dass die Mutter nicht ganz "unschuldig" ist, wenn der Sprössling den Spinat am Teller mit einem "Bäh!" kommentiert, denn die Essgewohnheiten der schwangeren und stillenden Mütter prägen die Geschmacksvorlieben ihres Nachwuchses. Im Experiment zeigte sich, dass Babys, die im Mutterleib oder durch die Muttermilch oft den Geschmack von Karotten erfahren haben, später deutlich begeisterter auf zugefütterten Karottenbrei reagierten. Diese Erkenntnis ist insofern neu, als in früheren Studien nur gezeigt werden konnte, dass Säuglingsnahrung mit Vanillegeschmack später zu einer Bevorzugung von Lebensmitteln mit Vanillearoma führte. Der Tipp für werdende Mütter lautet also: Esst das, was eure Babys später auch gerne essen sollten - viel Obst und Gemüse!

Ist Mandelmilch eine Alternative zu industriell hergestellten Säuglingsmilchnahrungen?

Während reine Mandelmilch nur eine Suspension geriebener Mandeln in Wasser ist, wird bei anderen Rezepturen zusätzlich fein gemahlenes, rohes, eingeweichtes Getreide eingerührt oder dem Mandelmus auch Milch und Zucker beigefügt. Der Gehalt an Energie, Fett, Protein und Kohlenhydraten der Mandelmilch, den das Getreide oder Milch und Zucker besitzen, ist mit jenem der kommerziellen Säuglingsnahrungen vergleichbar. Allerdings ist die biologische Wertigkeit des Eiweißes von Mandelmus mit Getreide nur sehr gering, auch enthalten sie zu wenig Vitamine und Mineralstoffe. Gegen selbst zubereitete Mandelmilch spricht neben diesen Defiziten aber auch, dass zur Prävention von Zöliakie (Unverträglichkeit von Gluten, das in Getreide enthalten ist) in den ersten 4 Monaten kein glutenhaltiges Getreide gefüttert werden sollte. Nicht erhitztes Getreide ist zudem schlechter verträglich und Eisen aus Getreide ist nur schlecht verwertbar. Für Kinder, die nicht gestillt werden, ist eine industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung die beste Alternative.

Auch nicht allergiegefährdeten Säuglingen füttert man am besten HA-Nahrung!
In den HA-Nahrungen (hypoallergen = allergenarm) wird das Ausgangsprotein (Milch, Soja, Rinderkollagen) mehr oder weniger komplett gespalten, um so das Allergierisiko zu verkleinern. Wenn in der engeren Verwandtschaft eines Babys keine Allergie vorkommt, besteht allerdings auch kein Grund, HA-Nahrung zu füttern, denn es ist noch nicht wissenschaftlich geklärt, ob diese speziell veränderte Nahrung auch ernährungsphysiologisch und metabolisch unerwünschte Effekte haben kann. Für allergiegefährdete Säuglinge ist Muttermilch in den ersten 6 Monaten eindeutig die beste Nahrung.

Ist Honig auch für Babys gut bei Erkältungskrankheiten?

Echter Bienenhonig ist ein "naturbelassenes" tierisches Produkt und kann im Gegensatz zu reinem Zucker Allergien auslösen bzw. die Symptome einer Pollenallergie verschlimmern. Selbst wenn Untersuchungen kein positives Ergebnis lieferten, ist es nicht ausgeschlossen, dass auch handelsüblicher Honig bei sorgfältiger Herstellung mit Clostridium botulinum (krankheitserregendes Bakterium) kontaminiert ist. Bei Kindern im 1. Lebensjahr ist die Darmflora noch nicht sehr stabil. Es kann zu einer Besiedelung des Darms mit diesem Bakterium kommen, das sich dann vermehren und zu einer lebensbedrohlichen Vergiftung führen kann. Kindern unter einem Jahr sollte daher zur Sicherheit kein Honig gefüttert werden, auch nicht als bekanntes Hausmittel gegen Erkältungskrankheiten in Tee oder warmer Milch.

Sind Stuten-, Ziegen- oder Schafmilch Alternativen bei Kuhmilchunverträglichkeit?

Abgesehen davon, dass selbst hergestellte Säuglingsmilch generell nicht empfehlenswert ist, sprechen ernährungsphysiologische Argumente gegen die Verwendung dieser Milcharten für Babys. Jede Art von Tiermilch weist gravierende spezifische Probleme auf. Ziegenmilch enthält zum Beispiel zu wenig Folsäure, Stutenmilch ist zu fettarm, in der Schafmilch dagegen ist zu viel Fett. Außerdem ist das allergene Potenzial dieser Milcharten zu beachten. Und wer diese schon einmal frisch kaufen wollte, wird bald festgestellt haben, dass das auch gar nicht so einfach ist.

Brauchen Kinder für eine gesunde Entwicklung Fleisch?

Eine ausgewogene vegetarische Ernährung, in der regelmäßig Milch und Milchprodukte sowie Eier gegessen werden, kann den Nährstoffbedarf in allen Altersgruppen leicht decken. Als positiver Nebeneffekt wird dabei auch Zivilisationskrankheiten vorgebeugt. Milch und Eier enthalten ausreichend Eiweiß. Der einzige kritische Nährstoff bei einer ovo-lactovegetarischen Ernährung ist das Eisen. Dennoch ist ein ausgeprägter Eisenmangel bei vegetarisch ernährten Kindern und Erwachsenen nicht häufiger als bei üblicher Kost. Da Milch und Eier keine besonders guten Eisenquellen darstellen, sind als Ergänzung pflanzliche Nahrungsmittel, die viel Eisen enthalten, zu empfehlen (Vollkorngetreide, Hafer, Hirse). Durch die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C in Form von Obst und Gemüse kann die schlechte Verfügbarkeit des Eisens aus pflanzlicher Kost kompensiert werden. So verdoppeln schon 100 ml Orangensaft die Bioverfügbarkeit von Eisen in einer vegetarischen Mahlzeit!

Kinder essen nur Pommes frites und Hamburger!

Wenn Kinder nach ihren Lieblingsspeisen gefragt werden, steht Fastfood wie Pommes frites und Hamburger an erster Stelle. Doch glücklicherweise zeigt sich bei genauerer Ermittlung der Lebensmittel, die von Kindern wirklich gegessen werden, dass es mit deren Ernährung nicht gar so schlimm steht. Überwiegend werden nicht Pommes gegessen, sondern Kartoffeln, Nudeln und Reis. Beim Obst sind vor allem Äpfel, Bananen und Erdbeeren beliebt; unter den Gemüsen sind Karotte und Tomate die Favoriten. Einzig und allein Vollkornbrot zählt nur bei Mädchen zu den Toplebensmitteln, Buben bevorzugen da eher Frühstückszerealien.

Schlechte Zähne kommen nur von zu viel Süßigkeiten!

Dass man nach dem Zähneputzen keine Süßigkeiten mehr essen soll, weiß schon jedes Kind. Der Grundstock für die Gesundheit der Zähne wird allerdings bereits im Mutterleib gelegt. Neben der genetischen Veranlagung, der Versorgung mit Kalzium und Fluor ist es vor allem auch die Mundhygiene, die für die Zahngesundheit entscheidend ist. Moderne fluorhaltige Zahnpasten, die richtige Zahnbürste, die nötige Putzzeit und -häufigkeit (2-mal täglich mindestens 3 Minuten lang) sind entscheidende Faktoren, um Zahnbeläge (Plaque), in denen Bakterien wachsen, zu vermeiden. Schon wenn die ersten Milchzähne durchbrechen, sollten die Zähne regelmäßig geputzt werden. Nur so ist gewährleistet, dass die Zahnpflege zur Selbstverständlichkeit wird. Und durch regelmäßige Zahnarztbesuche kann Karies schon im Anfangsstadium bekämpft werden.

Karies kommt von zu viel Zucker!

Eine richtige Ernährung kann viel zur Zahngesundheit beitragen, wobei die Aussage, dass nur Zucker und Süßwaren Karies verursachen, falsch ist. Neben Süßem sind es auch alle anderen weichen und klebrigen Lebensmittel, die den Mundbakterien als Nahrung dienen und so die Kariesentstehung fördern. Eine über lange Zeit gekaute Scheibe Brot kann da eine schädigendere Wirkung auf den Zahnschmelz haben als ein schneller Schluck gezuckerte Limonade. Langes Nuckeln am Fläschchen mit gesüßtem Tee oder Fruchtsaft ist vor allem für Kleinkinder ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor. Am besten ist es also, Süßes zu den Mahlzeiten zu essen und nicht zwischendurch oder vor dem Schlafengehen, eventuell mit Wasser nachzuspülen und auf regelmäßige Mundhygiene zu achten.

http://www.forum-ernaehrung.at/
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